Interview Asnat Y. Ricardo
Die Israelin Asnat Yael Ricardo stellt den Tango auf den Kopf. Dann fügt sie den Lieblingstanz der Neo-Machos wieder zusammen, als sei nichts gewesen. Und alle sind begeistert. Ihr Rezept: Improvisation und Mut zur Freiheit, gemischt mit einer durchweg positiven Ausstrahlung und einer unermüdlichen Begeisterung für die sogenannte „Dinzel-Lehrmethode“. Die charismatische Vollblut-Tänzerin überzeugt auch skeptische Vertreter des starken Geschlechts von den Vorzügen ihrer Methode, die dem Paar ungeahnte Freiheiten der Improvisation zurückgibt.
Ein Interview von Fabian Kasten
Haben deine Eltern besonderen Wert
auf deine künstlerische Erziehung gelegt?
Auf jeden Fall. Besonders nachdem sie mein
Talent für Gymnastik entdeckt hatten. Als
ich 5 Jahre alt war, sah mich jemand im
Schwimmbecken unseres Dorfes (in Israel)
einige gymnastische Tricks machen. Er war
so beeindruckt, dass er meinen Eltern empfahl,
mein Talent in einer besonderen Trainingsgruppe
zu fördern. Ich ging dann viermal
pro Woche je drei Stunden trainieren,
das war ziemlich viel für ein fünfjähriges
Mädchen. Mit neun Jahren wechselte ich
dann zur rhythmischen Gymnastik.
Du musst sehr begabt gewesen
sein, weil du nur wenige Jahre später
in die israelische Olympiamannschaft für
Gymnastik aufgenommen worden bist.
Das stimmt, da war ich 12 Jahre alt. Das war
eine große Auszeichnung, denn nur die sechs
besten Athleten des Landes werden in das
Team aufgenommen. Ich habe dann an verschiedenen
nationalen und internationalen Wettbewerben
teilgenommen, auch in Europa.
War es dein Wunsch, so früh schon
Hochleistungssportlerin zu werden? Oder
war das eher ein Traum deiner Eltern?
Das war schon mein eigener Wunsch. Meine
Eltern haben mich natürlich in jeder Hinsicht
unterstützt, aber sie haben mich nie
gedrängt.
Wann hast du das Tanzen für dich
entdeckt?
Mit fünfzehn, damals habe ich mit Ballett
angefangen. Ich war in der Pubertät und
etwas rebellisch. Ich wollte aus dem zehn
Jahre lang eingeübten, engen Trainingskorsett
der rhythmischen Gymnastik ausbrechen,
ich brauchte einfach Luft. Klassisches Ballett
schien mir dafür bestens geeignet. Und
Spitzentanz war immer schon ein Traum von
mir, von klein auf. Also folgte ich mit fünfzehn
Jahren diesem Traum.
Wolltest du je professionelle
Ballett-Tänzerin werden?
Mit diesem Gedanken habe ich eine ganze
Weile gespielt. Mit 19 Jahren habe ich mich
dann aber gegen eine Profitanz-Karriere beim
Ballett entschieden.
War das wieder eine Art von Rebellion?
Ich glaube, etwas in mir strebt mein ganzes
Leben lang nach Freiheit. Und zumindest im
Alter von 19 Jahren musste ich die Freiheit
noch woanders suchen. Ballett war damals
für mich noch nicht die richtige Antwort.
(Fortsetzung folgt…)
